Warum Wildschnee

 

Teil 1  Wildschnee begins


Wahrscheinlich hätte ich nie angefangen Snowboards zu bauen, wenn es irgendwo die gegeben hätte, die ich brauche. Nichts gegen Snowboards von der Stange. Die sind super. Auf die breite Masse zugeschnitten, funktionieren sie irgendwie überall, aber nirgendwo richtig gut.

Meine Bretter dagegen sind zu 100% auf mich zugeschnitten und arbeiten dort, wo ich sie einsetze besser als alles, was ich sonst unter den Füßen hatte. Auch wenn es schwer ist, mit ihnen über Rails oder Boxen zu rutschen. Aber darauf kann ich verzichten. Schließlich verbringe ich den Großteil meiner Schneetage abseits von Schirmbars und Liftschlangen. 

Mit dem Tourengehen habe ich begonnen, wie die meisten. Sprich kleine Pistenausflüge, Schneeschuhe und ein viel zu schwerer Rucksack. Aber für die wirklich spannenden Geschichten ist das eben nicht das optimale Setup. So kam eine Erfahrung zur nächsten, während im Hinterkopf immer das Thema dreiteiliges Splitboard herumspukte. Dieses Ding gab es damals schon, nur besorgen konnte es niemand - von einem Test ganz zu schweigen. Also begann ich diverse Boards auseinanderzusägen. Für die Verbinder griff ich auf das Voile Splitkit zurück. Dazu kamen einige Umbauten und wenige Nächte später lag ein durchaus solides Tourenbrett mit akzeptablen Fahreigenschaften auf der Werkbank.

Meine ersten Splitboards waren Vierteiler. Einige davon hatten sogar eingesetzte innen liegende Stahlkanten, um die Aufstiegseigenschaften zu verbessern. Keine schlechte Ausbeute für das erste Jahr, aber die Boards entsprachen immer noch nicht dem, was ich eigentlich wollte. Also war es Zeit für den nächsten Schritt. Durch das Zersägen habe ich so viel über den Aufbau verschiedener Bretter gelernt, dass der Komplettbau irgendwann nur noch eine Frage der Zeit war. Der brachte neben dem frei wählbaren Shape gleich noch einen ganzen Sack weiterer Vorteile mit sich: Endlich konnte ich bereits vor dem Zerschneiden sämtliche Inserts und Seitenwangen optimal positionieren, ohne mich später mit aufwändigen Fummeleien herumärgern zu müssen.

Innerhalb von 6 Monaten war das Board-Manufakturprojekt umgesetzt. Von der Materialbeschaffung bis zur eigens entwickelten Presse. Seitdem baue ich alle Bretter selbst. Ob Freeride Gun, Splitboard, oder Hardcore Raceboard was immer gerade ansteht, wandert über den Zeichentisch.  Gute Kontakte und die richtige Ausbildung haben mir sehr geholfen. Ob ich’s noch mal anfangen würde weiß ich nicht. Die Möglichkeiten zum Fahren sind seltener geworden, der Powder wartet nicht und die Zeit vergeht viel zu schnell.

 

Servus Markus Reichard