Wanning reloaded

Wanning reloaded

Wanning reloaded

Samstag Abend, die Dinge stehen schlecht, der Tourenpartner, der sonst immer alles ausbaldowert, bleibt fest an den heimeligen Herd gefesselt. Offener Strafvollzug ist bestimmt milder…
Um selbst eine berauschende Tour auszustecken, bedarf schon einiges an Knowhow und auf gut Glück wird‘s halt eine Lotterie mit mehr Nieten als Volltreffern.

Also was tun? Im Rückblick auf die vergangen Jahren hab ich immer eine Tour im Kopf: Den Hochwanning. Das letzte Mal waren wir da vor mehr als 5 Jahren oben, aber die Erinnerung sagt: Sau gut, eiskalt, top Schnee, Landschaft deluxe.

War klar… hat damals auch der Tobi ausgesteckt. Der Lawienlagencheck sagt go. Sprich es wird ausgerückt. Die Anfahrt könnte kürzer sein, aber das Ding muss her. Sonntagmorgen vorbei am Olympiastangerl.

Die Fahrerei is zwar recht zach, aber irgendwann komm auch ich in GAP an.

Zwei Stunden zwanzig nach dem ersten Schlüsselrumdrehen steh ich am Marienberglift. Board ist bereits angefellt und ready für den Einstieg in den Lift. Ja Lift, schließlich gibt’s prickelnderes als einen Aufstieg über die Piste. Mit 13 Euro Schmerzensgeld kein Schnapper aber noch im Tagesbudget.

Memo für etwaiger Nachmacher: 1. Nicht mit angefelltem Board in den Lift einsteigen – die Lifthansis drehen da voll im roten Bereich. 2. So sparst du dir oben auch das Abfellen – da es nämlich erst mal gute 50 Hm zum Einstieg. So ein bisserl Schwung ist da gar nicht verkehrt.

Allein auf so einer Tour bist eigentlich falsch unterwegs, da du keinen dabei hast, dem du deinen Müll der Woche verabreichen kannst und dazu gibt’s auch kein Feedback über die neueste DIY-Ausrüstung. Anders ausgedrückt: die Single Tourengeher Fraktion hat schlechte Chancen. In Sichtweite von 1000 Metern sehe ich die ersten echten Frühaufsteher.

Da angelangt, wo vor Jahren eine üble Nebelsuppe war, sehe ich eigentlich das erste Mal die Dimensionen des Kessels. Mit dabei: ein etwas älterer Abgang, nix heftiges aber halt auch kein Sluff. Die angelegte Spur zum erstem Zwischenziel verläuft gut und ich komme auf eine zerrissene Gruppe. Wie sich später herausstellen sollte, Vater, Mutter und der Sohnemann – ein Telemarker. Vater wird als erstes nach einer leichten Kehre hinter mir gelassen.

So jetzt is die Mama vor mir und die hat einen eisernen Willen, das Ding zu rocken, es scheitert aber voll und ganz an der Technik. Die Skibaletteinlage des Jahres. Wer den Wannig gehen will, sollte zumindest die Spitzkehren annähernd beherrschen, und Harscheisen sein Eigen nennen.

Macht nix, der Vater ist mittlerweile auf dem Hosenboden den Hag abgerutscht und stellt auf Abfahrtsmodus um.

Jetzt wird‘s auch für mich eng, der nächste der Top five hat am Hag die Ski wegen fehlendem Grip geschultert. Geil! Der hackt mir da eine feine Spur in den Berg, genau so brauch ich des.

Auch ich komm auch irgendwann oben an, Mutti hat aufgegeben und ist Richtung Vatti unterwegs. Aber Respekt an den Junior, der hat’s mit Fremdhilfe auf den Gipfel geschafft.

Der Ausblick ist nach wie vor der Hammer.

Ich bin nach der Aktion wirklich nicht mehr frisch und brauche eine neue Kollektion Underliner + Shirt. Nach ein paar Minuten Pause fange ich mich wieder.

Da kommt der nächste Pausenclown: „Kannste ma in die Senke da fahren und mich filmen wie ich die Spline da mach?“ Klar, kann ich. Nur steh ich dann unten und trag mein Board raus….

Nix, Spline wird von mir gemacht – mir is wurscht ob er des g‘filmt hat oder ned.

Down geht’s die ersten Meter durch Bruchharsch und einige ebenso ungeliebte Schneearten. Welcome at the Backsidekante vom Bord. Sieht grauenhaft aus, aber die abfahrenden Skihansis zeigen da eine deutlich schlechtere Performance.

Danach gibt’s den vollen Sack an Payback: Vollgas Sonnenhang mit echt gewaltigen Speedturns. Perfekt dabei – die neue Prime X von KK.

Am End vom Hang ohne Blinker links ab in den Wald. Die anderen Spuren gehen zum nächsten Anfellpunkt. Ja, das hat schon seine Vorteile, wenn man da runter fährt wo man auch raufgekommen ist. Aber dafür bin ich heute zu faul. Also wuid durchn Woid und mit einem astreinen Steinschliff im Belag steh ich 40 Minuten später wieder auf der Piste. Des hätt ich einfacher haben können, aber genau solche Aktionen zeichnen die Wildschneetouren aus. Planvoll und mit Hirn agiere ich schon den Rest der Woche und das ist weit weniger lustig – auch wenn das Material dabei geschont wird.

Am Auto angekommen wird erst mal die akute Unterhopfung kuriert. Wasser wäre hier mal fehl am Platz.

 

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